Rosanna's letzter Wille


Rosanna's letzter Wille ist eine leichte, melancholische Komödie mit einem herrlich schwarzem Humor und einem Jean Reno in Höchstform. Marcello (Jean Reno) betreibt eine kleine Bar in Italien und ist stets auf das Wohlbefinden seiner Mitmenschen bedacht. Er regelt den Verkehr, hält alte Menschen vom Rauchen ab, lässt seine Kunden nicht betrunken wegfahren und versucht sogar im Krankenhaus mögliche Todesfälle hinauszuzögern oder am besten, diese gleich zu verhindern. Der Grund für seine ungewöhnliche Nächstenliebe ist, dass seine geliebte Frau Rosanna schwer krank ist und in wenigen Monaten sterben wird. Wäre diese Tatsache nicht belastend genug, stehen nur noch drei freie Grabplätze zur Verfügung und sollten diese belegt werden, bevor Rosanna stirbt, könnte sie nicht mehr auf diesem Friedhof neben ihrer Tochter begraben werden. Ausgerechnet Marcellos seit Jahren verhasster Kontrahent Capestro besitzt ein Grundstück, mit welchem der Friedhof erweitert werden könnte, doch weigert sich dieser, das Land zu verkaufen. Doch scheint es weder am Geld, noch am Land selbst zu liegen und es stellt sich die Frage, welcher Grund tatsächlich vorhanden ist.
So verbringt Marcello seine Zeit damit, die nicht selten fahrlässigen Bürger zu retten oder zumindest ihr Ableben hinauszuzögern und muss gleichzeitig mitansehen, wie seine Frau immer schwächer wird. Diese scheint sich mehr Sorgen darüber zu machen, dass sie auch wirklich neben ihrer Tochter begraben wird und dass Marcello am besten ihre Schwester Cecilia heiraten sollte, wenn sie erst einmal tot ist. Cecilia ist hingegen bemüht, sich dem Anwalt und Neffen von Capestro zu nähern, um diesen umzustimmen. Aber ob sie ihn auch tatsächlich liebt, ist fraglich.

Als Marcello einen betrunkenen Banker nach Hause fährt, erfährt er zufällig, dass dieser Angst vor dem freigelassenen Verbrecher Fredo Iacopponi hat, für welchen er einst Lösegeld verwahrte, jedoch ist davon nicht mehr viel übrig. So sieht Marcello seine Chance, vielleicht das Land doch noch zu erwerben. Rosanna's letzter Wille lebt von seinen sympathischen Figuren, einem großartigen Jean Reno und seiner etwas melancholischen, jedoch wärmenden Atmosphäre. Der Tod ist Teil des Lebens und trotz dem allgegenwärtigen Todesfällen, wirkt der Film weder düster, noch bedrückend, im Gegenteil. Doch zeigt er uns in bestimmten Szenen auch die Emotionen und Verletzlichkeit der Charaktere. Der Humor ist dabei sehr gelungen und es macht Spaß, Marcello dabei zu beobachten, wie er einen im Sterben liegenden Mann davon überzeugen möchte, vielleicht doch nach Amerika zu reisen, da dort die Luft viel gesünder ist und er noch lange leben könnte, obwohl er im Grunde eher möchte, dass er nicht hier vor Ort stirbt, da somit erneut ein Platz weniger am Friedhof wäre. Die Musikuntermalung ist auch gelungen, wenn auch manchmal vielleicht etwas zu sentimental. Negativ wäre höchstens zu erwähnen, dass Rosanna außer ihrem schwachem Herz, nie besonders krank wirkt. Der Zuseher weiß, dass sie krank ist, Schulden beim Arzt hat und immer schwächer wird, aber richtig inszeniert wurde diese Krankheit nur selten. Man sollte sich auch nicht vom Text auf der DVD-Hülle täuschen lassen. Rosanna ist tatsächlich krank und nicht "vermeintlich" wie auf der Verpackung steht. Mir ging es so, dass ich dachte, sie hätte ihre Krankheit nur vorgetäuscht und durch diese falsche Angabe, habe ich gewartet, dass dieser Fakt irgendwann offenbart werden würde, wodurch ich ihre Krankheit nicht in diesem Maße wahrnehmen konnte, da eine falsche Erwartungshaltung erzeugt wurde.

Erscheinungsjahr: 1996
Länge: 98 Minuten
Regie: Paul Weiland
Drechbuch: Sau Turteltaub
Produktion: Paul Trijbits, Dario Poloni
Musik: Trevor Jones
Kamera: Henry Braham
Schnitt: Martin Walsh

Marcello: Jean Reno
Rosanna: Mercedes Ruehl
Cecilia: Polly Walker
Antonio: MArkFrankel
Fredo Iacopponi: Trevor Peacock
Bruno Rossi: Roberto Della Casa

8,5/10

Foto der Woche 9


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Media Monday 241



1. Wenn es mal ein Film zu reinen Unterhaltungszwecken sein darf, greife ich ja sehr gerne zu Shang High Noon. Der Film ist wirklich nett für zwischendurch. Auch die Fortsetzung.

 2. Neben Karneval gibt es ja noch viele andere Gründe sich zu verkleiden und bei Halloween hat mir das auch richtig gut gefallen, denn ich mag es sehr gerne, wenn die verkleideten Kinder durch die Straßen ziehen und alles hübsch dekoriert ist.

3. Game Of Thrones hat nicht mehr viel mit der ursprünglichen Ausrichtung zu tun, schließlich gibt es bereits ab Staffel 2 massive Veränderungen, Staffel 3 und 4 waren bis auf Kernmomente bereits eine leichte Fanfiction und ab Staffel 5 hat die Serie vielleicht noch 30% mit dem Buch gemeinsam. Die Zeit, die verwendet wurde, um unnötige Dinge zu erfinden, hätte auch genutzt werden könnne, um zumindest teilweise die Handlung des Buches richtig zu verfilmen. Deshalb habe ich die Serie auch abgebrochen und bleibe bei den Büchern. Überhaupt ziehe ich meistens Bücher vor, sollte ein Film darauf beruhen.

4. Glaubt man den Gerüchten soll dieses Jahr Beetlejuice 2 erscheinen. Bis jetzt gibt es weder Fotos, noch einen Trailer. Überhaupt frage ich mich, ob das Projekt nicht besser beendet werden sollte, da ich nicht möchte, dass der alte Film zerstört wird.

5. Vikings hat mich jüngst zum Binge-Watching verleitet, denn ich kenne die Serie bereits, aber meine Mutter möchte sie nun ebenfalls sehen und seitdem sehen wir jeden Tag 3-4 Episoden.

6. Dass derzeit die Jecken die Straßen bevölkern ist für mich persönlich nichts, aber solange die Kinder sich vergnügen können und die Menschen die aktuellen Themen zumindest für ein paar Tage verdrängen können, dürfte es niemanden schaden. Außer die betrunkenen und grölenden Proleten.

7. Zuletzt habe ich Ripper Street Staffel 2 begonnen und das war eine gute Episode, jedoch war ich etwas enttäuscht , weil mir nach der grandiosen ersten Staffel die Inszenierung bezüglich der Chinesen- und Drogenthematik nicht wirklich gefallen wollte.

Wochenfazit am Sonntag


Ge
sehen: 

Filme: 22 Bullets, Bone Tomahawk
Serien: Ripper Street, Vikings

Gelesen:
Das Lied von Eis und Feuer 10, Nordische Mythologie
Musik der Woche:

Klassik:
Daniel Steibelt - Adagio
Chopin - Prelude
Bach - Das Wohltemperierte Klavier
Henselt Etude
Henselt D- Minor

Filme:
Ripper Street Opening
Ripper Street
The Big Blue
Wolfs Rain - Shiro
Lord Of The Rings

Verfasste Beiträge in dieser Woche

22 Bullets
Bone Tomahawk
Media Monday 240
Foto der Woche 8
Geschichten aus dem Jenseits 8

Geschichten aus dem Jenseits 10




Da gelegentlich Reviews im Jenseits des Internets verschwinden und es interessant zu sehen ist, welche Filme vor einigen Jahren zu dieser Zeit angesehen wurden, verfasse ich einmal in der Woche einen Eintrag zu den "Geschichten aus dem Jenseits"


Geschichten aus dem Jenseits 10 - Im Zeichen des Bösen 

 
Im Zeichen des Bösen ist meines Erachtens einer der besten Film Noir, neben Chinatown und L.A. Confidential und ermöglichte es Orson Welles, nicht nur einen interessanten und spannenden Film zu produzieren, sondern auch einen der zwielichtigsten Ermittler der Filmgeschichte zu verkörpern, welchen der Zuseher vermutlich nie vergessen wird. Die Handlung beginnt, als ein Paar an der mexikanischen Grenze durch eine Autobombe getötet wird und der erfahrene Polizei-Captain Quinlan in diesem Fall ermitteln soll. Aufgrund seiner Erfahrung und Intuition ist er bereits eine Legende und dafür bekannt, sehr direkt und kompromisslos vorzugehen. Jedoch wurde auch der mexikanische Drogenfahnder Vargas (Charlton Heston) und dessen Frau (Janet Leigh) Zeuge des Anschlags. Da der Mord auf der amerikanischen Seite verübt wurde, besitzt Vargas nur die Funktion eines Beobachters. Der Polizist hat jedoch ohnehin genügend Probleme, da er vor geraumer Zeit das Oberhaupt einer mexikanischen Verbrecherfamilie inhaftieren konnte und nun von dessen Bruder und seiner Verwandtschaft bedroht wird. Sogar seine Frau wird indirekt von den Mexikanern in die Enge getrieben. Während den Ermittlungen gelingt es Vargas, einen interessanten Einblick in Quinlans Ermittlungsmethoden zu gewinnen und seine Intuition, welche sich häufig durch einen Schmerz in seinem Bein bemerkbar macht, führt tatsächlich zu erstaunlichen Resultaten und einen potentiellen Verdächtigen, auch wenn er sehr direkt und schroff vorgeht. Die Situation eskaliert jedoch, als Vargas beobachtet, wie Quinlan einem Verdächtigen Beweismittel anhängt und diese manipuliert. Dadurch entsteht nicht nur eine Konfrontation zwischen den beiden, sondern auch eine moralische Zwickmühle, da die Frage aufgeworfen wird, ob das Gesetz gebrochen werden kann, um seinen eigenen Intuitionen Ausdruck zu verleihen und Vargas fragt sich, ob Quinlan bereits öfter Beweismittel gefälscht hat.

Dieser versucht hingegen, den Polizisten um jeden Preis als unglaubwürdig darzustellen und seinen Ruf zu zerstören und greift dabei nicht nur auf zwielichtige Verhaltensmuster aus seiner Vergangenheit zurück, sondern gibt sich dem Alkohol hin und zögert nicht, das Gesetz in seine eigene Hand zu nehmen und sogar gegen Vargas Frau vorzugehen. Die Charakterdarstellung des Hank Quinlan und die schauspielerische Leistung von Orson Welles, welcher erst mit großer Anstrengung seine Version des Films erwirken konnte, ist hervorragend und besonders das Finale und die moralische Komponente bleiben unvergessen. Wenn ein Ermittler definitiv von der Schuld einer Person überzeugt ist, die nötige Beweiskraft jedoch fehlt, liegt die Versuchung, den Schuldigen um jeden Preis zu überführen, nahe. Doch was, wenn die Intuition lügt und ein Unschuldiger inhaftiert oder sogar hingerichtet wird? Sowohl Quinlan, als auch Vargas gehen ihren Beweggründen und eigenen Ermittlungsmethoden nach, doch hält sich dieser an das Gesetz und wird nicht nur mit Quinlan, sondern auch den erwähnten Mexikanern konfrontiert. Im Zeichen des Bösen gilt heute als einer der besten Filme aller Zeiten, konnte aber leider bei seiner Veröffentlichung keinen Erfolg verbuchen. Für mich persönlich, ist "Im Zeichen des Bösen" jedoch der beste Film von Orson Welles, neben "Der dritte Mann" und äußerst sehenswert. Auch Dennis Weavers (Duell) Rolle als psychisch labiler Nachtportier sollte erwähnt werden.

9/10

Foto der Woche 8


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22 Bullets


22 Bullets wurde meines Erachtens zu Unrecht von vielen Kritikern negativ bewertet, da besonders die klischeehafte Rachethematik bemängelt wurde. Weshalb diese in vielen Filmen mit ähnlicher Inszenierung und Grundaussage (Clint Eastwood) positiv wirken soll, in einem französischen Film jedoch dazu führt, dass er wegen diesem Punkt regelrecht verrissen wird, ist fraglich. Charlie Mattei (Jean Reno) ist den Verbrechen als Mafia-Anführer überdrüssig und beschließt, die Geschäfte an seinen Freund Zacchia zu übergeben und sich nur noch um seine Familie zu kümmern. Mattei ist trotz vieler Morde und brutalen Verbrechen ein liebevoller Familienvater, welcher sich bereits in zweiter Ehe befindet und so viel Zeit wie möglich mit seinem Sohn und seiner Tochter verbringen möchte. Das Glück währt jedoch nicht lange, da Mattei in einem Parkhaus von maskierten Männern niedergeschossen wird. 22 Kugeln dringen in seinen Körper ein, doch gelingt es ihm, den Anschlag wie durch ein Wunder zu überleben. Rache kommt zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Frage, da Mattei vielmehr verwundert ist, wer für diesen Anschlag verantwortlich ist und weshalb dieser auf ihn verübt wurde. Dieses Zögern führt jedoch zu einem brutalen Mord an einem guten Freund und Charlie erkennt, dass die Vergangenheit ihn erneut eingeholt hat und er handeln muss, da die Zeit um Fragen zu stellen, vorbei ist. Der Anschlag auf Mattei und die folgenden Morde seinerseits werden von der verwitweten Kommissarin Goldman untersucht, deren Mann im Auftrag eines Unbekannten ermordet wurde. Während der folgenden, blutigen Mordserie wird Mattei zunehmend klar, dass seine Kontrahenten versuchen werden, seiner Familie Schaden zuzufügen und ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Die Handlung von 22 Bullets hört sich, zugegeben, sehr klischeehaft an, doch ist es Jean Renos schauspielerischen Leistung und der gelungenen Inszenierung zu verdanken, dass der Film trotz bekannter Rachethematik sehenswert ist. Es ist schwierig, Sympathie für einen Verbrecher und Mörder zu empfinden und Mattei erreicht in keinster Weise das Gefühl, welches Leon der Profi hinterlassen hat, doch ist es nachvollziehbar, weshalb der Protagonist auf diese Weise handelt. Jedoch begeht der Film den großen Fehler, die Kinder von Mattei zu wenig in die Handlung zu integrieren. Auch seine schwer erkrankte erste Frau, hätte Potential für einige melancholische Szenen gehabt, welche den Zuseher hätten berühren können, aber diese wird höchstens ein paar Sekunden gezeigt. Diese Punkte sind es, die neben der allzu bekannten Rachethematik, den Gesamteindruck für mich schmälern. Auch wenn ich keine Vergleiche anstellen möchte, frage ich mich doch, wie sehr der Film von einem Charakter wie Mathilda aus Leon der Profi profitiert hätte. Auf der positiven Seite haben wir einen hervorragenden Jean Reno, eine spannende Inszenierung, moralisch fragwürdige Inhalte, welche den Zuseher konfrontieren und sehr gelungene Aufnahmen eines düsteren Frankreichs. Auch gelingt es dem Film, zumindest ein paar Gangster interessant darzustellen, auch wenn der Großteil, bis auf den Anführer, Mittel zum Zweck sind. Einen Norman Stansfield sollte daher niemand erwarten. 22 Bullets ist daher ein sehenswerter Film, welcher zu Unrecht von einigen Kritikern verrissen wurde.

Regie: Richard Berry
Produzent: Luc Besson, Pierre-Ange Le Pogam
Musik: Klaus Badelt
Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 115 Minuten

Charly Mattei: Jean Reno
Tony Zacchia: Kad Merad
Martin Beaudinard: Jean-Pierre Darroussin
Marie Goldman: Marina Fois
Le Pistachier: Joeystarr
Aurelio Rampoli: Richard Berry
Padovano: Venantino Venantini
Mme Fontarosa: Claude Gensac
Eva Mattei: Josephine Berry
Anatola Mattei: MAx Baissette de Malglaive
Stella Mattei: Catherine Samie
Karim: Moussa Maaskri

7,5/10

Media Monday #240



1. Die einfallsreichste und/oder skurrilste Handlung hat wohl Beetlejuice von Tim Burton. Ich würde nicht so weit gehen und sagen, er hätte die einfallsreichste Handlung, sondern die Inszenierung ist herrlich skurril und eigenwillig. Besonders die Improvisationen von Michael Keaton.
 
2. Gemessen an ihrem/seinem Alter ist Clint Eastwood noch sehr aktiv. Regisseur, Produzent, Komponist und vielleicht auch wieder einmal als Schauspieler?

3. Glaube ich kaum, dass ich Lucy noch einmal ansehen werden. Eine lächerliche Bastard-Version von Serial Experiments Lain, Matrix und sonstigen Filmen dieses Genres mit miserabler Inszenierung und unsympathischen, geradezu dummen Charakteren. Ein Fehlgriff von Luc Besson, aber gemessen an den Filmen, die ich von ihm mag, verzeihbar.

4. Die Beliebtheit vieler Verfilmungen von Stephen King kann ich absolut nicht nachvollziehen, vor allem nicht, dass sie von vielen gemocht werden, schließlich gibt es nur sehr wenig brauchbare Verfilmungen und ich lese lieber seine Bücher. 

Gute Verfilmungen: Carrie, Dead Zone, Cujo, Stand by Me, Misery, Die Verurteilten, Dolores, Das geheime Fenster, Der Sturm des Jahrhunderts, Zimmer 1408

5. Sherlock beeindruckt ja nicht nur mit einem großartigen Skript, sondern auch durch dessen Umsetzung.

6. Bone Tomahawk hat mich allein schon dadurch überrascht, dass ich mir etwas gänzlich anderes erwartet hatte, nämlich einen stupiden Horror-Western-Mix, aber zum Glück hat sich das nicht bewahrheitet.

7. Zuletzt habe ich mir 22 Bullets gekauft und das war hoffentlich eine gute Entscheidung , weil es einer der wenigen Filme ist, die ich noch nicht von Luc Besson kenne und er sich interessant anhört. In der letzten Zeit hat mich dieser Regisseur und Produzent oft enttäuscht, aber ich gebe ihn nicht auf.

Bone Tomahawk


Bei Bone Tomahawk handelt es sich um einen ruhig inszenierten Western, mit einprägsamen Charakteren, zynischem Humor und einem sehr hohen Gewaltgrad. In der Werbung wird er gerne als Mischung von Western- und Horrorgenre bezeichnet, jedoch ist dies nicht der Fall, was dem Zuseher bewusst sein sollte. Es handelt sich ausschließlich um einen Western mit gelegentlich unheimlichen, brutalen Szenen. Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russell) übt sein Amt in der kleinen Stadt Bright Hope aus und ahnt nicht, welche Schwierigkeiten mit dem Auftauchen eines Fremden, der sich selbst als Buddy bezeichnet, folgen sollen. Seine Intuition, dass es sich bei diesem Mann um einen Mörder handelt, trügt ihn nicht und so wird dieser schon bald während einer Auseinandersetzung angeschossen und ins Gefängnis gebracht. Samantha O'Dwyer soll nun seine Wunden behandeln und für den Sheriff ist die Sache für diese Nacht erledigt. Das Ausmaß der Katastrophe wird jedoch erst am Morgen erkennbar, als sowohl Samantha, der Gefangene, als auch der Deputy entführt werden und eine verstümmelte Leiche entdeckt wird. Ein Pfeil lässt darauf schließen, dass es sich um degenerierte, primitve Menschen handelt, welche in Höhlen leben und sich von Menschenfleisch ernähren. So brechen Sheriff Hunt, der alte Deputy Chicory, Samanthas Ehemann Arthur und der intellektuelle Frauenheld John Brooder auf, um die Entführten zu retten und gegen diesen Clan vorzugehen.

Auch wenn sich die Zusammenstellung der Charaktere sehr klischeehaft anhört, so besitzt jeder von ihnen erfrischende Persönlichkeitszüge und Verhaltensweisen. Hunt fühlt sich verpflichtet, die Bürger zu beschützen und ahnt bereits, dass diese Entführungen und Morde erst den Beginn darstellen, da nun Bright Hope entdeckt wurde, Chicory redet zu viel, besitzt einen gutmütigen Humor und denkt immer wieder sehnsüchtig an seine verstorbene Frau und Brooder scheint aus einem bestimmten Grund die Indianer besonders zu hassen und rühmt sich, bereits sehr viele von ihnen getötet zu haben.
John ist dabei sehr zielsicher und geht keine Kompromisse ein. Arthur O'Dwyer hat es im Gegensatz zu seinen Kameraden besonders schwer, da er ein verletztes Bein hat und ab einem gewissen Zeitpunkt zurückbleibt, um Hope und die anderen irgenwann wieder einzuholen. Während ihrer Reise spüren sie zunehmend die Präsenz des Clans und hören unheimliche Stimmen im Wind, welche den Tod bringen sollen. Wie bereits angesprochen, ist Bone Tomahawk sehr ruhig inszeniert und bis auf die Konfrontation mit den Kannibalen stehen Dialoge und die Beziehung der Charaktere im Vordergrund. Besonders der liebenswerte Chicory sorgt immer wieder dafür, dass die beschwerliche Reise etwas aufgeheitert wird, jedoch ist der Grundton des Films sehr düster und die Gewaltdarstellung äußerst explizit. Der Soundtrack ist sehr atmosphärisch, wird im Film aber leider zu wenig eingesetzt. Bone Tomahawk hat mich positiv überrascht und stellt einen der besten Western der letzten Jahre dar. Der Zuseher sollte sich jedoch bewusst sein, dass es sich um keinen Horrorfilm handelt.

Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 132 Minuten
Regie: S. Craig Zahler
Produzent: Jack Heller, Dallas Sonnier
Musik: Jeff Herriott, S. Craig Zahler

Sheriff Franklin Hunt: Kurt Russel
Arthur O'Dwyer : Patrick Wilson
John Brooder: Matthew Fox
Chicory: Richard Jenkins
Samantha O'Dwyer: Lili Simmons

9/10

Geschichten aus dem Jenseits IX



Da gelegentlich Reviews im Jenseits des Internets verschwinden und es interessant zu sehen ist, welche Filme vor einigen Jahren zu dieser Zeit angesehen wurden, verfasse ich einmal in der Woche einen Eintrag zu den "Geschichten aus dem Jenseits".


Geschichten aus dem Jenseits IX - Im Rausch der Tiefe 


Im Rausch der Tiefe zählt zu Luc Bessons (Leon der Profi, Nikita) besten Filmen und beleuchtet die tiefgreifende Freundschaft zweier Männer, welche die gleiche Leidenschaft teilen. Jacques (Jean-Marc Barr) und Enzo (Jean Reno) lebten in ihrer Kindheit auf einer griechischen Insel und bereits damals bildete ihre Persönlichkeit einen starken Kontrast. Während Enzo bei den Kindern sehr beliebt war und sein direktes Vorgehen ihn als ungestüm wirken ließ, hielt sich Jacques stets im Hintergrund, war schweigsam und wirkte ungewöhnlich introvertiert. Nachdem Jacques Vater bei einem Tauchunfall ums Leben kam und der Junge die Insel verließ, brach der Kontakt zu Enzo für Jahre ab. Auch in der Gegenwart teilen beide die Leidenschaft des Tauchens. Enzo ist nun Weltmeister im Apnoetauchen (Freitauchen ohne Sauerstoffreserven) und seine Familie stellt für ihn nach wie vor das Wichtigste neben dem Tauchen dar. Jacques führt hingegen Bergungsarbeiten durch und ist auch für die Wissenschaft interessant, da er seinen Blutfluss regulieren kann, was in dieser Form noch nie bei einem Menschen beobachtet werden konnte. Er führt ein sehr introvertiertes, einsames Leben und besitzt kaum Erfahrung im Umgang mit Frauen, oder generell menschlichen Kontakten. Ironischerweise verliebt sich die Versicherungsagentin Johana in Jacque, als sie diesen bei Bergungsarbeiten in Peru beobachtet. Enzo beschließt, Jacques zu kontaktieren und ihn ebenfalls zur Teilnahme an den Meisterschaften zu bewegen. Auch wenn in ihrer Kindheit ein leichter Konkurrenzgedanke im Vordergrund stand, so entwickelt sich nun eine tiefgreifende Freundschaft, welche durch ihre Vorliebe, ihre Obsession, zusätzlich verstärkt wird. Zu Jacques Überraschung, reist ihm Johana hinterher und möchte ihn näher kennenlernen. Während beide Männer trainieren und sich auch im Privatleben Halt geben, nähert sich die Weltmeisterschaft in Griechenland, ihrer früheren Heimat.

Bei "Im Rausch der Tiefe" handelt es sich um einen ruhigen, nachdenklichen Film, welcher besonders durch die Beziehung der Protagonisten und den wunderschönen Aufnahmen überzeugt. Selten zuvor wurde in einem Film das Meer und seine Anziehungskraft, seine Schönheit, in solchen Bildern festgehalten bzw. in einen Film integriert, welcher keine Dokumentation darstellt. Mit einer Laufzeit von beinahe drei Stunden und durch seiner langsamen, ruhigen Inszinierung, wurde Im Rausch der Tiefe sehr differenziert wahrgenommen und die Meinungen reichen von Kultfilm bis zu einem dokumentarisch anmutenden Film mit Überlängen. Subjektiv betrachtet, stellt Im Rausch der Tiefe Luc Bessons besten Film neben Leon der Profi dar und wird durch Figurenentwicklung, einer künstlerisch hervorragenden Umsetzung und dem gelungenen Soundtrack von Eric Serra zu einem Meisterwerk. Die Beziehung zwischen Enzo und Jacques ist sehr speziell. Sie sind Freunde, verstehen sich trotz verschiedenen Verhaltensweisen, geben sich auch im Privatleben Halt und leben für ihre Leidenschaft. Trotzdem wird ihre Freundschaft von einem leichen Konkurrenzverhalten begleitet, welches jedoch als gesunder Antrieb vermittelt wird und keine negative Wirkung erzielt. Im Gegensatz zur europäischen und asiatischen Version, wurde das melancholische Ende in der amerikanischen Fassung verändert und eine wichtige Schlüsselszene entfernt. Die auf europäischer Blu Ray und DVD erhältliche Director-Cut-Version ist daher die richtige Version. Im Rausch der Tiefe ist ein großartiger Film, welcher unbedingt angesehen werden sollte.

Regie, Drehbuch, Produktion: Luc Besson
Soundtrack: Eric Serra
Kamera: Carlo Varini
Erscheinungsjahr: 1988
Laufzeit: 160 Minuten
Soundtrack - Eric Serra

Jean-Marc Barr: Jacques Mayol
Jean Reno: Enzo Molinari
Rosanna Arquette: Johana Baker
Valentina Vargas: Bonita
Sergio Castellitto: Novelli
Griffin Dunne: Duffy

10/10
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